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Impostor-Syndrom: Das Kryptonit der Kreativen

»Ich ziehe doch bloß eine riesige Show ab – meine Texte sind nicht mal besonders gut, das wird eines Tages auffallen«, stöhnt der Autor. »Meine letzten Songideen sind mir alle unter der Dusche eingefallen, das war reiner Zufall«, klagt die Gitarristin. Sätze, die mir sowohl in meinem privaten als auch in meinem beruflichen Umfeld immer häufiger begegnen. Talentierte Autor:innen, Musiker:innen und andere Kreative berichten häufig davon, sich wie Hochstapler:innen zu fühlen oder nicht »wirklich« zu arbeiten. Sie alle plagt ein schlechtes Gewissen, weil sie Geld für etwas verlangen, was andere als »Hobby« bezeichnen. Kann etwas, das Spaß machen soll, eine richtige Dienstleistung sein?

Dieses Phänomen nennt sich Impostor-Syndrom. Die Verbreitung unter der besagten Zielgruppe ist auffällig groß und ich glaube dabei nicht an einen Zufall. Mein berufliches und privates Netzwerk besteht aus zahlreichen Künstler:innen, Musiker:innen, Autor:innen, Grafiker:innen und anderen Kreativen auf der einen Seite – und ungefähr genauso vielen Lehrer:innen, Manager:innen und Veranstalter:innen auf der anderen Seite. Das Gefühl, der Welt etwas vorzumachen, tritt allerdings nur bei der ersten Gruppe auf. Warum ist das so?

Nun, die Gesellschaft lässt uns spätestens im Jugendalter wissen, dass man von der »brotlosen Kunst« nicht leben kann. Als Hobby akzeptiert, doch als Beruf vollkommen ungeeignet. So wird Kindern und Teenagern zum Beispiel konsequent vermittelt, dass Rapper:in kein richtiger Beruf sei: »Lern was Anständiges, dann brauchst du später auch keine drei Minijobs!« Was wie das Motto einiger CDU-Politiker:innen klingt, ist tatsächlich eine in sämtlichen Gesellschaftsschichten verbreitete Meinung.

Aber was ist etwas Anständiges? Offensichtlich nicht Rapper:in. Oder Maler:in. Oder Science-Fiction-Autor:in. Diejenigen von uns, die diese oder artverwandte Berufe angestrebt haben oder dies noch immer tun, wissen wovon ich schreibe. »Hör auf zu träumen, dafür sind nur die Wenigsten talentiert genug. Nicht du!« Sie kennen die Sprüche verbitterter Eltern. »Als Kind wollte ich auch mal Schauspieler werden, aber ich bin stattdessen erwachsen geworden!« Und sie können auch den Klassiker unter Ratschlägen nicht mehr hören: »Geh erstmal richtig arbeiten!« Ja, toll. Danke Gesellschaft, für die durchweg beschissenen Ratschläge, denen es zu verdanken ist, dass jede Nacht unzählige kreative und talentierte Menschen wachliegen und sich den Kopf darüber zerbrechen, ob sie nicht besser eine Umschulung zu »Irgendetwas mit Zukunft« machen. Aber kann es wirklich schaden, etwas Sicheres zu lernen? Wäre es nicht vielleicht doch besser, einen Plan B zu haben?

1) Sicher ist nichts außer der Tod. Und der trifft uns früher oder später alle – egal, ob wir uns dazwischen »sicher gelangweilt« oder »unsicher verwirklicht« haben.

2) Was ist denn bitte sicher? Klar, ich verstehe schon, dass es schwer ist, einen Job zu verlieren, wenn man verbeamtet ist. Aber was bringt diese Sicherheit jemandem, dessen größtes Unglück aus der Tätigkeit dieses Jobs besteht?

3) Es spricht überhaupt nichts dagegen, einen Plan B zu haben. Dennoch sollte es sich auch wirklich um einen Plan B handeln, was beinhaltet, dass er an zweiter Stelle kommt. Du kannst nicht Autor:in werden, wenn du Vollzeit BWL studierst, 20 Stunden die Woche kellnern gehst und dir den Schreib-Workshop wegen der Semesterbeiträge nicht leisten kannst. Autor:in werden ist dann nicht mehr Plan A. Um genau zu sein ist das überhaupt kein Plan. Es ist der sichere Sturz in ein Leben, das du niemals haben wolltest. Und warum? Weil dir eingeredet wurde, dass das, was du eigentlich machen willst, nicht gut genug sei. Von Leuten, die ein gutes Buch nicht erkennen würden, wenn es ihnen auf den Kopf fällt!

Nein, ich halte es weder für ein Gerücht, noch für Zufall, dass Kreative besonders häufig mit dem Hochstapler:innen-Syndrom zu kämpfen haben. Aber es kann nicht sein, dass du dein Leben nach den Wertvorstellungen anderer Leute lebst, denn das ist ein Garant für Unglück und Unzufriedenheit. Mach dir das bewusst und versuche dich mit deinen eigenen Glaubenssätzen auseinanderzusetzen. Finde heraus, was dir wichtig ist, denn es ist dein Leben und die einzige Person, vor der du deine Entscheidungen rechtfertigen musst, bist du selbst.

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